Welt: "Zwischen Frankfurt und Köln zeigt sich Deutschlands Bau-Lücke"

 

Die Wohnungssituation in Deutschland ist derzeit täglich Thema im deutschen
Blätterwald. Den nachstehenden Beitrag zitieren wir von Wirtschaftsredakteur
Stephan Maaß, der u.a. ein Interview mit beta-Geschäftsführer Dirk Salewski
(auf dem Foto rechts mit den beiden weiteren beta-Geschäftsführern Achim
Krähling (links) und Matthias Steinhaus (Mitte) führte.

Nachstehend der Wortlaut des Beitrages aus der Welt vom 27. November.

Welt: "Zwischen Frankfurt und Köln zeigt sich Deutschlands Bau-Lücke"
Einige Städte bauen kaum Wohnungen, andere stampfen neue Häuser nur so aus
dem Boden. Das liegt nicht nur am verfügbaren Baugrund, sondern auch an den
Rahmenbedingungen für Neubauten. Und an der Leistung in den Planungsämtern.
Die Bauämter stöhnen unter der Last von Bauanträgen, die nicht abgearbeitet
werden. Grundstücke sind knapp, die Baubranche ist ausgelastet und
Handwerker sind rar. Das ist überall so? Weit gefehlt. Offensichtlich gibt
es Kommunen, bei denen es klappt mit dem Wohnungsbau – und ganz viele, bei
denen in dieser Beziehung ein echter Notstand herrscht.

Im Kreis Goslar wurden im vergangenen Jahr pro 10.000 Einwohner 4,3 neue
Wohnungen fertiggestellt – das ist fast trauriges Schlusslicht. Aber in
Erding waren es 76,9 – ab 75 beginnt die Spitzengruppe.
In diesem Fall ist es naheliegend: Die Harzstadt ist nicht gerade die
Metropole einer Boomregion – trotz der Kaiserpfalz als Weltkulturerbe. Ganz
anders Erding in der Nähe des Münchner Flughafens, das immerhin in einer
Boomregion liegt und von ihr profitiert. Aber wieso landet das hippe Köln
mit 19,1 neuen Wohnungen pro 10.000 Kölnern auf dem letzten Platz der
Großstädte mit mindestens 500.000 Einwohnern? Und warum gibt Frankfurt am
Main den Maßstab vor – mit 55 neuen Wohnungen pro 10.000 Einwohnern im
vergangenen Jahr?

Not in my backyard
„Köln ist ein spezielles Thema. Da gibt es eine Melange aus Kommunalpolitik,
Wirtschaft und Anwohnern, die den Neubau von Wohnungen erschweren“, sagt
Dirk Salewski, Vorstand des BFW Bundesverbandes und Geschäftsführer der
mittelständischen Beta Eigenheim- und Grundstücksverwertungsgesellschaft im
Ruhrgebiet. „Not in my backyard – das ist das Motto, mit dem aber nicht nur
in Köln neue Projekte verhindert werden“, so der Bauunternehmer.

In Frankfurt dürfte man solche Klagen selten hören. In der Mainmetropole
dauert es 49 Kalendertage, bis ein Bauantrag für ein Wohnhaus genehmigt
wird. Sieben Wochen, während es in vielen Bundesländern drei Monate sind –
mit Verlängerungsoption um zwei Monate, wenn es dringende Gründe gibt. Aber
nicht überall werden überhaupt verbindliche Fristen angegeben. „In Frankfurt
wird Bauherren beim ersten Termin ganz genau gesagt, welche Unterlagen
gebraucht werden. Wenn der Bauantrag nicht vollständig ist, nehmen wir ihn
gar nicht an. Das spart langwieriges Nachfragen“, sagt Mark Gellert,
Sprecher des Planungsdezernats. So zügig arbeitet das Frankfurter Bauamt
schon lange. Seit zehn Jahren halte man das Niveau.

Natürlich gehöre zu einer regen Bauaktivität auch die entsprechende
Nachfrage, was mit Frankfurt als attraktiver Arbeits- und Ausbildungsstadt
gegeben sei. Zudem weise die Stadt auch neues Bauland aus. Außerdem
profitierten Bauherren und Investoren in Frankfurt auch von der
Professionalität der Mitarbeiter im Planungsdezernat, sagt Gellert. Wo so
viele Hochhäuser stehen, kenne man sich auch in der Verwaltung mit dem Bauen
aus. „Und auf der Messe und dem Flughafen gibt es ebenfalls viel zu tun.“

Salewskis Firma ist seit vier Jahren Eigentümer einer zehn Hektar großen
Fläche in der Dortmunder Innenstadt, einem früheren Bahnhofsareal. Gut 600
Wohnungen sollen dort entstehen – die werden in der Universitätsstadt auch
gebraucht. Trotzdem laufen die Planungen schon seit zehn Jahren.

Alle Beteiligten bei der Planung erreichbar
Er hoffe, dass der Bebauungsplan bald rechtskräftig werde und man dann
loslegen könne, sagt der Unternehmer. Aber leicht sei es nicht, alle Belange
unter einen Hut zu bekommen. Salewski nennt Beispiele: „Die Müllabfuhr holt
die Container vom Grundstück, das ist gut. Aber sie bewegt sich nicht weiter
als 15 Meter auf das Privatgrundstück – das ist schlecht, weil das Areal
natürlich viel größer ist. Wir mussten wochenlang drei Standorte für die
Müllcontainer aushandeln.“ Andererseits habe die Absprache mit den
Versorgern über die komplizierte Lage für Wasser, Gas-, Strom- und
Telefonleitungen nur drei Tage gedauert, weil alle Beteiligten gut
erreichbar waren und Unklarheiten auch per Mail und Handy schnell beseitigt
werden konnten. Bürokratie sei ein großes Problem, aber es gebe Wege, damit
umzugehen, sagt Salewski.

„Wir brauchen viel mehr bezahlbare Wohnungen“
Wenn in einer Großstadt der Wohnungsneubau nicht hinterherkommt, dann
profitieren die Randgemeinden. Berlin ist mit 34,4 Wohnungen auf 10.000
Einwohner zwar fast gleichauf mit Hamburg mit 37,7 Wohnungen. Aber in der
Hauptstadt wird dringend mehr Wohnraum gebraucht. In der Folge zählte
Potsdam mit 84,5 Wohnungen im vergangenen Jahr sogar zu den bundesweiten
Spitzenreitern. „Aber es ist im gesamten Berliner Umfeld spürbar, dass in
der Hauptstadt zu wenig gebaut wird und die Nachfrage dann in die
Randgemeinden abwandert“, sagt Michael Voigtländer, Wohnungsmarktexperte des
Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Fehlende Grundstücke sind der größte Hemmschuh
Voigtländer plädiert dafür, nicht nur die Wohnungsfertigstellungen eines
Jahres zu betrachten, um Einmaleffekte auszuschließen. Aber auch da liefern
die Zahlen des Statistischen Bundesamts keine deutlichen Unterschiede. So
sind die Wohnungsbauaktivitäten im Berliner Umfeld auch schon 2015 und 2016
hoch gewesen. In Potsdam wurden 2016 sogar 90,7 Wohnungen je 10.000
Einwohner hochgezogen. 2015 waren es 67,7. Und der Landkreis Dahme-Spreewald
baute 2017 54,3 Wohnungen, 2016 59,4 und 2015 gut 53 Wohnungen auf 10.000
Einwohner.

Quelle: Welt, 27. November 2018

 

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