Der lange Weg vom Güterbahnhof zum urbanen Quartier

Innerhalb der Stadt Dortmund ist es gelebter Konsens, dass die Verwaltung in enger Abstimmung mit dem Rat der Stadt der Nutzung ehemaliger Industrieflächenbzw. Brachen Vorrang gegenüber Nutzungen im ökologisch wertvollen Freiraum einräumt, wenn dies auch realisierbar ist und nicht an diversen Restriktionen scheitert. Daher bestand auch schnell Konsens darin, die lange Jahre ungenutzte Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Süd möglichst zu reaktivieren.

Bereits 2002 wurde vom Rat der Stadt ein städtebaulicher Rahmenplan als Grundlage für die städtebauliche Entwicklung für das „Umfeld Güterbahnhof Süd“ beschlossen. Ziel war es, Planungsrecht für die Durchführung der Flächenreaktivierung zu schaffen.

2005 wurde in der Folge ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren mit dem Ergebnis durchgeführt, dass der von der Jury präferierte Entwurf Grundlage für das weitere Planverfahren werden sollte. Wie es jedoch so oft in unserem Land vorkommt, musste die Planung aufgrund der Lärmimmissionen, die insbesondere vom nahegelegenen Großmarkt und weiterer Gewerbebetriebe ausgehen, mehrfach überarbeitet werden. So sollten immissionsschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Unter anderem wurde eine abschirmende Schallschutzwand zum Thema, deren heutige Ausprägung ihres gleichen sucht. Ziel musste es jedoch sein, die Vorgaben des Rahmenplans sowie die Ziele des durchgeführten städtebaulichen Qualifizierungsverfahren mit den immissionsschutzrechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen.

Erst 2015 wurde der Rat der Stadt über den Stand der städtebaulichen Planung informiert. Es folgten Bürgerinformationen im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit. Ein wesentliches Ergebnis der Beteiligungen war die Kritik, dass die damals vorgesehene relativlockere Bebauungsstruktur mit vielen Reihen- und Einfamilienhäusern keine akzeptable Antwort auf die urbane Lage des Planungsgebietes war.

Daraufhin ergaben sich erhebliche Veränderungen der Bebauungskonzep- tion, die im Frühjahr 2018 im öffentlich ausgelegten Bebauungsplan zu erkennen waren. Die Grundkonzeption sah nun im Westen des Areals – im Anschluss an den denkmalgeschützten Wasserturm – eine Mischnutzung aus Büro-und Dienstleistung vor, während im übrigen Planbereich Wohnnutzung überwog. Geschossigkeit und Bebauungsdichte wurden zugunsten eines urbanen Charakters erhöht, wobei im nördlichen Bereich weiterhin eine reduzierte Geschossigkeit vorgesehen war. Die Bebauungsdichte nimmt nunmehr von Westen nach Osten ab. Der urbane Charakter bleibt insgesamt attraktiv erhalten, verschiedene Wohnformen konnten realisiert werden. Waren in der ursprünglichen Planung von 2015 ca. 250 Wohneinheiten geplant, hat sich die Zahl der Wohneinheiten durch die vorgenommene Verdichtung auf ca. 630 erhöht. Dabei ist beachtlich, dass an dieser Stelle auch die vom Rat der Stadt beschlossene 25- bzw. 30 %-Regelung greift, die festsetzt, dass dieser prozentuale Anteil der Wohneinheiten für den öffentlich geförderten Wohnungsbau vorzusehen ist. So gelingt es, sowohl bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, als auch eine attraktive Durchmischung des Quartiers zu gewährleisten.

Natürlich gab es einen Diskurs über die Ausprägung der notwendigen Schallschutzwand, die nach anfänglichen 10 m, am Ende eine Höhe von 16 m erreichte, damit weitere Schallschutzmaßnahmen vermieden werden konnten. Schöner Städtebau sieht sicherlich anders aus. Mittelpunkt des Quartiers „Kronprinzenviertel“ ist sicher die große zentrale Grün- fläche. Aufgrund der erhöhten Zahl von Wohneinheiten stiegen auch die Spielflächenbedarfe, die so gedeckt werden können. Herausforderungen wie das Erschließungssystem des Quartiers wurden fachgutachterlich begleitet, die Anbindung des Quartiers an den SPNV durch eine S-Bahnhaltepunkt oder auch die Wegeverbindung in das beliebte Kronprinzenviertel bzw. auch Kaiserviertel sind weitere Aspekte, die die Wertigkeit dieses Quartiers ausmachen.

Blickt man aktuell auf dieses Quartier, kann man sich nur darin bestärkt fühlen, auch Flächen für eine städtebauliche Entwicklung anzupacken, die als Herausforderung gesehen werden können oder müssen. Doch mit einer gewissen Schwarmintelligenz und verlässlichen Partnern und Akteuren der Wohnungswirtschaft lassen sich solche Herausforderungen meistern.

Natürlich braucht es oftmals Geduld und einen langen Atem, aber ich möchte mit Goethe enden und sagen: „An unmöglichen Dingen soll man selten verzweifeln, an schweren nie.“

Zur Person: Uwe Waßmann

Stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund und planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion sowie stv. Vorsitzender des Ausschusses für Klima, Umwelt, Stadtentwicklung und Wohnen

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