„50 Prozent mehr Material bedeuten auch 50 Prozent mehr Kosten“

Interview mit beta-Geschäftsführer Dirk Salewski

17.07.2024



Herr Salewski, macht es noch Spaß zu bauen?

Dirk Salewski Sagen wir mal so: die Freude am Bau und am Bauen ist mir noch nie so richtig vergangen. Es macht nach wie vor Spaß, wenn ich sehe, wie ein neues Haus oder ein ganzes Quartier entsteht. Was keinen Spaß macht, sind die aktuellen politischen Rahmenbedingungen, die die Explosion der Baukosten und die steigenden Zinsen begleiten. Der regierenden Ampelkoalition ist dazu erst mal nicht mehr eingefallen als die Verlängerung der Mietpreisbremse. Dringend notwendige Maßnahmen, die die Branche seit Ende 2022 fordert, werden zwar in x Papieren aufgegriffen, aber leider wird nichts davon umgesetzt.

 

Sie erleben als Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) täglich, was sich in der Bau- und Immobilienwirtschaft ereignet. Ist Eigentum noch erschwinglich?

 

Dirk Salewski Für große Teile der Bevölkerung ist Wohnen - ganz gleich, ob zur Miete oder als Käufer einer Immobilie - mittlerweile unerschwinglich geworden. Nach dem Ende der Fördermaßnahmen für energetische Baumaßnahmen im Frühjahr letzten Jahres haben wir bei den Bauträgern einen Absturz der Verkaufszahlen und in der Folge einen radikalen Einbruch der Projektstarts gesehen. Durch den überregulierten Mietmarkt ist auch das Delta zwischen Bestands- und Neubaumieten so groß geworden, dass der Neubau auch für große Wohnungsunternehmen unattraktiv geworden ist.

 

Können Sie das belegen?

 

Dirk Salewski Ein Blick in die Zeitung und auf die amtliche Statistik reicht. Alle relevanten Marktzahlen befinden sich im freien Fall: Die Baugenehmigungen gehen zurück, die Zahl der Bauanträge ist noch viel schlimmer gesunken, die Zahl der Baubeginne ist noch kleiner. Wenn Sie sich dann anschauen, wie teuer inzwischen eine Finanzierung geworden ist, dann wissen Sie, dass es kein Zufall ist, dass viele Bauträger von potenziellen Kunden Absagen bekommen, weil Wohnungen und Häuser mit normalen Haushaltseinkommen und ohne Fördermittel nicht mehr zu bezahlen sind.

 

Was können Bauträger überhaupt in dieser Situation tun?

 

Dirk Salewski Sagen wir es mal deutlich: Ich bin Unternehmer. Es widerstrebt mir also grundsätzlich, meinen betrieblichen Erfolg von Fördermitteln des Staates abhängig zu machen. Der Staat muss aber darüber nachdenken, dass die Wohnungsfrage eine gesellschaftliche Dimension besitzt und sozialen Sprengstoff birgt. Und in der aktuellen Situation darf nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene gerne darüber nachgedacht werden, ob mit Fördermitteln zumindest ein Teil der gewünschten 400.000 Wohneinheiten pro Jahr gebaut werden kann.

 

Das wäre nur ein denkbarer Schritt. Was sagen Sie zu Baukostensenkungen?

 

Dirk Salewski Ich würde gerne günstiger bauen. Leider haben wir Bauen in einer Zeit, als Geld nichts kostete, noch viel schöner, noch viel aufwändiger gemacht. Wir schützen uns gegen alles, was uns mal in irgendeiner Form beeinträchtigen könnte. Wir leisten uns jedes vernünftige Maß übersteigende Vorschriften für zum Beispiel Schallschutz im Hochbau und definieren genau, wie viele Steckdosen eigentlich verbaut werden müssen. Bauen muss wieder einfacher werden: Wir leisten uns 25er bis 28er Betondecken, wo auch 16er halten würden. Grundsätzlich gilt: 50 % mehr Material bedeutet in der Regel auch 50 % mehr Kosten.

 

Sind das nicht doch sinnvolle Regelungen, die Sie da überdenken möchten?

 

Dirk Salewski Dieser Nanny-Staat mit dem aktuellen Goldstandard widerstrebt meiner liberalen Grundeinstellung. Wir bedienen inzwischen Ansprüche, die nicht aus dem Markt gewachsen sind. Innovation und Effizienz ist noch nie durch Obrigkeitsregeln entstanden, sondern nur durch die konkret handelnden Personen oder Unternehmen. Ich möchte keine sicherheitsrelevanten Themen in Frage stellen, ich möchte eine Neuausrichtung der Standards erreichen. Glauben Sie mir, unser Unternehmen hat vor 20 und 30 Jahren auch schon richtig gute Häuser gebaut. Wenn wir in vielen Bereichen auf dieses Niveau zurückkämen, würde das unsere Gebäude preiswerter und bezahlbarer machen. Bestenfalls könnten wir auf staatliche Fördermittel verzichten. Wir müssen zurück zum Kern der sozialen Marktwirtschaft, in der diejenigen, die die Geschäfte machen, ihr Geschäft auch regeln.

 

Können Sie im eigenen Unternehmen nicht einfach das tun, was Ihnen und Ihren Kunden gefällt?

 

Dirk Salewski Das ist ordnungsrechtlich kaum ein Problem, haftungsrechtlich aber schwierig. Genau genommen bauen wir inzwischen fast Hochsicherheitstrakte. Ich sehe den Anspruch an Maß und Mitte nicht erfüllt. Wir brauchen keine Weltraumtechnologie. Wir können aber meines Erachtens und guten Gewissens Häuser bauen, die einem guten, in der Praxis erfolgreich erprobten Mindeststandard entsprechen. Das wäre schon mal ein guter Anfang. Hier ist der Bundesjustizminister gefordert. Das kostet den Staat kein Geld, würde Häuser und Wohnungen aber sofort um mindestens 15-20 Prozent günstiger machen.

 

Wie sehen Sie selbst die nächsten Jahre für die beta?

 

Dirk Salewski Die Entwicklung der letzten beiden Krisenjahre hat gezeigt, dass solche Prognosen schwierig sind. Hilfreich ist sicher, dass es uns in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, die beta in Westfalen zu einem Qualitätsbegriff zu machen. Unser Großprojekt mit Vivawest in Dortmund läuft, vielerorts haben wir zufriedene Kunden gefunden. Wir haben den Vorteil gegenüber vielen Wettbewerbern, dass wir finanziell solide aufgestellt sind, unser Grundstücksgeschäft nie spekulativ betrieben haben und in einem Umfeld bauen, in dem es nach wie vor durchaus möglich ist, Wohnraum zu erwerben. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass das so bleibt. Natürlich versuchen wir auch, im Rahmen des jetzt geltenden Rechts günstiger zu bauen. Wir haben einen Prozess initiiert, an dessen Ende ein Haustyp stehen wird, der unter Nutzung aller kostensenkenden Maßnahmen auch wieder für ganz normalverdienende Menschen erschwinglich sein wird. Im Übrigen sind die Zinsen auch schon ein wenig gesunken, das hat zu einer spür-

 

baren Belebung des Vertriebs geführt. Wir haben unser Produktportfolio um Einfamilienhäuser im sozialen Wohnungsbau ergänzt. Diese erfreuen sich bei Kapitalanlegern großer Beliebtheit, da aufgrund der attraktiven Förderung der NRW Bank und der langfristigen Wertstabilität unserer hohen Bauqualität mit überschaubarem Eigenkapital eine gute Rendite erwirtschaftet werden kann. Und das zu absolut bezahlbaren Mieten. Eine Win-win-Situation für Anleger und Mieter sozusagen.

 

Herr Salewski, wir danken für das Gespräch.