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Immer mehr Regeln hemmen den Wohnungsbau

Über 3.000 Vorschriften vereinheitlichen die Maße auf deutschen Baustellen – und behindern zugleich den Wohnungsbau. Und ihre Zahl nimmt weiter zu. So berichtete unlängst der SWR.

 So muss in Deutschland mittlerweile jedes neue Gebäude wie ein Theater, eine Schule oder ein Kindergarten über einen zweiten unabhängigen Rettungsweg verfügen, in der Regel ein zweites Treppenhaus. Gibt es das nicht, muss nachträglich eine Außentreppe angebaut werden. Manchmal geht der Brandschutz sogar so weit, dass er dringend benötigten Wohnungsbau verhindert. Beispielsweise beim Ausbau von Dachgeschossen. Denn die hohen Anforderungen können den Dachausbau unwirtschaftlich machen. Beispiel: zusätzliche Feuerschutztreppen. Die sind oftmals sehr aufwändig und gerade beim Bauen im Bestand kaum möglich umzusetzen. Doch sind sie tatsächlich notwendig? Oder könnte das nicht anders gelöst und dennoch zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden? Fragen wie diese stellte zuletzt ein Fernsehteam des SWR.

Hohe Hürde: Brandschutz

Früher sollte die Feuerwehr für den zweiten unabhängigen Rettungsweg sorgen, indem sie mit ihrer Drehleiter Personen aus den oberen Etagen rettet. Doch immer öfter gelangt die Feuerwehr - insbesondere in unseren Großstädten - nicht mehr ungehindert zur Brandstelle. Deshalb fordert sie zusammen mit der Bauaufsicht einen zusätzlichen Rettungsweg, also noch ein Treppenhaus. „Eine zusätzliche Treppe kostet aber zusätzliches Geld. Was wir nicht haben, ist eine Untersuchung, ob durch diese Verschärfung und das Anheben des Niveaus auch wirklich die gewünschte Wirkung erzielt wurde“, ist Dirk Salewski (Foto), Geschäftsführer der beta Eigenheim und Vorstand des Bundesverbands freie Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BfW) überzeugt. Anders als bei der Einführung von Kopfstütze, Sicherheitsgurt und Airbag, was die Zahl der Verkehrstoten signifikant gesenkt hat, wisse man nicht, ob es weniger Brandopfer gebe.

Der Effekt zusätzlicher Fluchtwege wurde bisher nicht erforscht, aber das Statistische Bundesamt liefert allgemeine Opferzahlen. Danach starben 1981 in Deutschland knapp 800 Menschen bei Bränden. 2017 waren es nur noch 335, also weniger als die Hälfte. Natürlich ist jeder Brandtote einer zu viel. Andererseits ist es unsinnig, die Rettungsstandards so hoch zu schrauben, dass Wohnungen nicht mehr bezahlbar sind. Brandschutz ist wichtig, aber die Frage ist, welches Sicherheitsniveau wollen wir uns leisten, um nicht den Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum damit zu versperren.
1996 kamen bei einem Großbrand am Düsseldorfer Flughafen 17 Menschen ums Leben. Diese Katastrophe veränderte den Brandschutz grundlegend. Und das hat Folgen bis heute. Im Jahr 2000 hat NRW als erstes Bundesland das Brandschutzkonzept für bestimmte Gebäudetypen zur Pflicht gemacht. Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz: Hier wurden zum 1. Januar 2015 die Brandschutzvorschriften für viele Gebäude zurückgefahren. Die Maxime heißt nun: Brandschutz darf volkswirtschaftlich nicht mehr kosten als er nutzt.

Neben dem Brandschutz machen weitere Regeln Architekten, Planern und Bauherren die Arbeit schwer. Die Novelle der Bauordnung im Jahr 2016 schrieb fest, dass in Häusern ab acht Wohnungen ein und in Häusern mit 15 Wohnungen sogar zwei Wohnungen rollstuhlgerecht sein müssen. Die neue NRW-Landesregierung hat diese Novelle aber nicht in Kraft gesetzt. Daher spricht man heute nur ganz allgemein von Barrierefreiheit. „Was das bedeutet, können Architekten und Bauherren berechnen. Und Käufer müssen es bezahlen, egal ob sie eine barrierefreie Wohnung brauchen oder nicht. Das ist in den Niederlanden anders“, so Dirk Salewski.

Baukosten um 33 Prozent gestiegen

Während in Deutschland die DIN-Norm 18040 zur Barrierefreiheit in Wohnungen gilt, die beispielsweise die Breite von Türen, Fluren, Treppen u. ä. regelt, müssen jenseits der Grenze nur wenige Wohnungen barrierefrei und mit Aufzug erreichbar sein. Das macht das Bauen natürlich günstiger. Und noch etwas ist in den Niederlanden anders: Häufig werden Stromleitungen oder Heizungsrohe über Putz verlegt, was ebenfalls die Preise senkt.

Die Baukosten in Deutschland sind zwischen 2007 und 2016 schätzungsweise um 33 Prozent gestiegen, in den Niederlanden aber nur um sechs Prozent. Ein erheblicher Unterschied. Es würde vielen Menschen helfen, der über bezahl-
barem Neubau und unbezahlbarem Wohnraum entscheidet. Dafür wäre es aber notwendig, nicht alle Häuser stur nach DIN zu bauen, sondern über die Ausstattung zu diskutieren, meint Salewski, der auch im DIN-Ausschuss, dem Bauausschuss des Deutschen Instituts für Normung, sitzt. Er fordert: „Wir müssen uns über Niveaus unterhalten!“ Welches Niveau an Sicherheit, Komfort und Schutz will ich? Wenn ich sage, ich will ein hohes Niveau, dann kann ich eine Norm für ein hohes Niveau machen, will ich ein niedriges Niveau, kann ich auch dafür eine Norm machen. Wir haben uns in Deutschland angewöhnt, Niveau und Ansprüche immer höher zu schrauben. Aber: Muss der Bauherr das einhalten? Nein, muss er nicht. Das ist ja kein Gesetz.“
Am Ende aber werden Ansprüche zur Vorschrift. Fürs Bauen gibt es mittlerweile über 3.000 Normen. „Und es werden immer mehr“, so Salewski.

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